Sonntag 17. Dezember 2017

Inhalt:

Aufbruchstudie 1997

 

Ein Großprojekt des Pastoralen Forums bildet die internationale Aufbruchstudie. Deren Ziel war die Klärung von mehreren Fragen:

  • Welche Schäden in der religiösen Dimension der Kultur hat der religionskämpferische Kommunismus in den einzelnen Ländern hinterlassen?
  • Wie haben sich die Kirchen in der kommunistischen Zeit positioniert?
  • Wie repositionieren sie sich nach der Wende?

Dazu wurde ein Forschungsnetzwerk (1) gegründet, mit dem Nebenziel, die wissenschaftliche Infrastruktur in den beteiligten Ländern zu stärken und interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Theologen, Historikern und Sozialwissenschaftern in Gang zu setzen. Auch die technische Infrastruktur konnte in den Forschungseinrichtungen der beteiligten Länder verbessert werden (Computer, Internetanschlüsse, FAX, Kopiergeräte).

 

Methodisch besehen enthält die Studie einen quantitativen und eine qualitativen Teil. Unter der Leitung des in Osteuropa führenden Religionssoziologen Prof. Miklos Tomka aus Budapest wurde in zehn Ländern (Litauen, Polen, Ukraine, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Slowenien, Kroatien, Ostdeutschland) flächendeckend mit dem gleichen Fragebogen ein religionssoziologischer Survey durchgeführt. (2) Zeitgleich wurden eine Reihe gemeinsam erarbeiteter Fragen zum Leben der Kirche im Kommunismus (3) unter der Leitung des Szegeder Professors für Angewandte Religionswissenschaft András Máté-Tóth (4) erforscht.

  • Die Ergebnisse der Studie wurden der scientific community durch die mehrbändige Reihe „Gott nach dem Kommunismus“ (5) zugänglich gemacht. Die Studie gilt seither als eine der wenigen Länder vergleichenden Studien für diese wichtige Übergangszeit eines großen Teils Europas von der kommunistischen Diktatur in die demokratische Freiheit.
  • Zugleich wurden Symposien veranstaltet, um die gewonnenen Ergebnisse mit Entscheidern der Kirche (Bischofskonferenzen, Diözesansynoden, Fortbildungkonferenzen, Stiftungen) und der Politik zu diskutieren. (6)

Zur Homepage des Projekts Aufbruch I. hier.

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(1) Netzwerk

(2) Das sind die thematischen Hauptfelder des Survey: Religiöse Landkarte der beteiligten Reformstaaten; Außensicht von Christ und Kirche: Welche Erfahrungen, Bilder und Erwartungen verbinden die Menschen damit?; Innensicht: Religion und Biographie; Religiöse Selbsteinschätzung von Religiösen und Atheisten  ; Religion und Modernisierung; Religion im Kontext von Sozialstruktur und Zeit; Bürgerstolz und Nationalismus; Religion und zwischenmenschliche Beziehungen; Religion, Lebenssinn und Lebensglück; Kommunismusnostalgie.

(3) Die Teilthemen waren: Priester und Bischöfe - Leitung und kirchliche Kommunikation; Konzilsrezeption; Kirche und Medien; Laien - Frauen - Jugend; Materielle Grundlagen; Pfarrseelsorge; Spirituelle und religiöse Bewegungen; Religion und nationale Identität; Ökumene; Konformismus und Widerstand; Orden; Religiöse Unterweisung; Volksfrömmigkeit; Internationales; Caritas.

(4) Prof. Mate-Toth konnte in Wien mit Unterstützung des Pastoralen Forums e.V. promovieren und habilitieren. Sein Lehrstuhl wurde mit Hilfe einer dreijährigen Anschubfinanzierung durch das Pastorale Forum e.V. errichtet.

(5) Tomka, Miklós / Zulehner, Paul M.: Religion in den Reformländern Ost(Mittel)Europas, Ostfildern 1999. – Tomka, Miklós / Zulehner, Paul M.: Religion im soziokulturellen Kontext Ost(Mittel)Europas, Ostfildern 2000. – Tomka, Miklós / Maslauskaite, Ausra / Navickas, Andrius / Toš, Niko / Potocnik, Vinko: Zur Lage von Religion und Kirche. Ungarn, Litauen, Slowenien, Ostfildern 2000. – Prudký, Libor / Aračić, Pero / Nikodem, Krunoslav / Šanjek, Franjo / Zdaniewicz, Witold / Tomka, Miklós: Zur Lage von Religion und Kirche. Tschechien, Kroatien, Polen, Ostfildern 2001. – Máté Tóth, András / Mikluščák, Pavel: Kirche im Aufbruch. Zur pastoralen Entwicklung Ost(Mittel)Europas, Ostfildern 2001. – Gabriel, Karl u.a.: Religion in den Reformländern Ost(Mittel)Europas: Deutschland-Ost, Ostfildern (2002); – Tomka u.a.: Religion in den Reformländern Ost(Mittel)Europas: Slowakei, Ukraine, Rumänien, Ostfildern (in Vorbereitung).

(6) Nicht nur von uns organisierte Symposien wurden von Bischöfen, Verantwortlichen kirchlicher Organisationen, sondern auch von Politikern (Abgeordneten, Ministern) besucht (Symposium in Berlin 2001). Das Forschungsteam erhielt eine Reihe von Einladungen zu wichtigen Gruppen und Gremien (Beispiele: tschechische Bischofskonferenz, Konferenz der Europäischen Bischöfe) (vgl. Verzeichnis wichtiger Präsentationen in Anlage 5). Die Daten haben in lokale und nationale Kirchenversammlungen (Diözesansynoden: so in Zagreb; Nationalsynoden: in der Slowakei und in Tschechien) Eingang gefunden und wurden bei pastoralen Neuorientierungen dieser Kirchengebiete zu Grunde gelegt. Die kleine ost(mittel)europäische Pastoraltheologie „Nicht wie Milch und Honig“, die von den Pastoraltheologinnen und –theologen der beteiligten Länder gemeinsam erarbeitet worden war, wurde zu einem hilfreichen Handbuch bei solchen Implementierungen der Forschung in die konkrete Neugestaltung des kirchlichen Lebens und Wirkens.

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