Sonntag 17. Dezember 2017

Inhalt:

Gründungsidee


Die gesellschaftlich brisanten Vorgänge von 1989 berührten sich mit der wissenschaftlichen Entwicklung von Univ. Prof. Paul M. Zulehner. 1984 war er unter Kardinal Franz König an die katholisch-theologische Fakultät der Universität Wien berufen worden. Kardinal König war als Erzbischof von Wien in jenen Zeiten des ersterbenden Kommunismus wie schon zuvor einer der wichtigsten kirchlichen Brückenbauer hin zu den Kirchen des Schweigens. Wien – einst Zentrum der Monarchie, welche viele der nunmehr kommunistisch regierten Länder umfasste (Westukraine, Südpolen, Ungarn, Siebenbürgen, Tschechoslowakei, Slowenien, Kroatien, Serbien) – erwies sich nach wie vor als kirchliche und damit aber auch als diskret politische Drehscheibe. Als Zulehner in Wien angekommen war, hatte er eine weit reichende Entscheidung getroffen. Während sich seine KollegInnen in der deutschsprachigen Pastoraltheologie in Westeuropa nach der Dritten Welt im Westen und Süden des Globus ausrichteten, orientierte ich er sich nach dem Osten, genauer nach Ost(Mittel)Europa. An der Fakultät erkor er zusammen mit den Studierenden pro Semester für jeweils ein Land aus dem kommunistischen Machtbereich als Schwerpunktthema des Forschens. Untersucht wurden die gesellschaftlichen und kirchlichen Verhältnisse dieses Landes im Wintersemester. Im folgenden Sommersemester wurde eine Exkursion in das Land selbst gemacht, um mit Vertretern der Politik und der Kirchen in ein unmittelbares Gespräch zu kommen. Gesprächspartner waren Religionsminister und Bischöfe in Jugoslawien. Eine andere Reisegruppe kam gegen Ende der Achtzigerjahre zu laufenden Revolutionen recht, erlebte Glasnost und Perestrojka ebenso wie die blutige Revolution in Rumänien. Schon früh erfuhren die Studierenden im Gespräch mit dem jugoslawischen Religionsminister und dann mit dem Bischof in Djakovo, dass weder die Partei noch die Kirchen die Nationalitäten auf dem Balkan zusammenhalten würden: Was sich alsbald als Realität einstellen sollte.

 

Dieses universitäre Programm erwies sich nach der Wende für die Studierenden nicht mehr als ausreichend attraktiv. Das Verbotene und Geheime war nicht mehr eine treibende Kraft für eine Teilnahme. Doch hatte sich in der kommunistischen Zeit durch die Reisen ein dichtes Netzwerk mit vielen wissenschaftlichen Kollegen und menschlichen Freundschaften gebildet. Wir überlegten, was wir mit diesem gewachsenen "Kapital" machen sollten. Der Beschluss reifte, zusammen mit Kardinal König, einen Verein zur Förderung der Kirchen in Ost(Mittel)Europa zu gründen. Der Kardinal selbst hatte bis zu seinem Tod den Ehrenschutz inne und war bei jeder Vorstandssitzung anwesend.

Pastorales Forum - Förderung der kirchen in Ost(Mittel) Europa
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